Journalistische Recherche: Open Source an Schulen

Liebe linuxmuster Community,

ich bin Journalist und arbeite v.a. für den Mitteldeutschen Rundfunk. Aktuell habe ich ein Recherchestipendium von Publix erhalten. Dabei will ich der Frage nachgehen, wie weit der Open-Source-Gedanke an Schulen verbreitet ist und wovon es abhängt, dass Open-Source-Tools genutzt werden. Ich fände einen Gesamtüberblick für Deutschland spannend. Es wird wohl kaum möglich sein, alle Schulträger zu kontaktieren.

Für den MDR hatte ich vor geraumer Zeit den Landkreis Harz besucht. Der haben alle elftausend Schülerinnen und Schüler einen Zugang zu Open Source Tools und können in der Schule gebrauchte Business-Notebooks nutzen. Der Dienstleister ist dort Puavo.

Meine Fragen sind derzeit: Ist das ein Einzelbeispiel? Gibt es Netzwerke von Schulen oder IT-Verantwortlichen bei Schulträgern, die auf solche Open-Source-Lösungen für ihre Schulen setzen? Verändern Open-Source-Lösungen Unterricht und Pädagogik?

Ich würde mich über Tipps freuen, welche Schule es sich in diesem Zusammenhang lohnt anzuschauen.

Am besten per Mail an bildung@marcelroth.net oder bei Mastodon

Besten Dank!

Hallo Marcel,

ich hatte mich über das Wochenende gewundert, dass hier keine Nachrichten zu deiner Anfrage aufgetaucht sind.
Ich hoffe, die Leute haben sich direkt bei dir gemeldet.
Ist das so?
Hast du ein paar Nachrichten bekommen?

LG
Holger

Hallo Holger,

ich habe bislang eine Mail bekommen.
Freue mich auf mehr.

Ich habe gestern zusätzlich bei Mastodon einen kleinen Post abgesetzt. Marcel Roth: „#opensource an deutschen #Schulen. Bin dankbar f…“ - Machteburch.social

Beste Grüße
M

Ich melde mich gleich Mal bei Dir via Mail.

Ich hatte dir auf Mastodon geantwortet (da von dir wiederum keine Reaktion bekommen).

Hi,

wir setzen im Kyffhäuserkreis in Thüringen auf die LML und ich weiß das der Eichsfeldkreis auch an allen Schulen die LML verwendet.

Leipzig war vor 2 Jahren noch in einer Findungsphase, weiß aber nicht welches System die letztendlich nutzen

Grüße
Michael

Ich dachte, wir hatten geschrieben dort?

Ah! Super. Tipps. Danke!

Stimmt, hast Recht … sind sehr viele Nachrichten auf verschiedenen Plattformen!

Viel Erfolg bei deiner Recherche,
Andreas

Ich war bei der Einführung und Evaluation der Alternativen zum vorherigen ClosedSourceProblem dabei. Seit über 30 Jahren bin ich mit und für OpenSource unterwegs. Bereits vor 20 Jahren hatten wir Verwaltungen und Bildungsräume auf Linux umgestellt. Ein Fachnetzwerk hatte es gegeben, um Politikern und Schulträgern unter die Arme zu greifen. Bei Bildungskonferenzen, dem Linux-Präsentationstag, Linux-Stammtisch, Schulförderverein usw. kommt man mit Betroffenen und Zuständigen ins Gespräch. Solche Aktivitäten verändern einiges, weshalb Höhen und Tiefen möglich sind. Am Beispiel von München kann man erahnen, was passiert, wenn Projekte erfolgreich werden und das nicht dürfen. Ob Publizität förderlich oder schädlich sein kann, sei zu überlegen. Graswurzeln unterm Radar kann nachhaltiger sein.

OpenSource, Freeware, kostenlos und umsonst wird auch im Wissensbetrieb Schule oft synonym und falsch vermittelt. Nicht alles, wo OpenSource draufsteht oder drin ist, ist gleich gut. Beispielsweise hat hat man IServ in den Schulen der Stadt Halle eingeführt. Gleichwohl das auf Debian basiert, ist das nicht DIE Entwicklung für die Kommune, Schüler oder Lehrer.

Der MDR hat auch mal über die Internetzugänge der Schulen in Sachsen-Anhalt berichtet. Gleichwohl diese Geräte auf CentOS aufbauen, sind diese weder brauchbar noch günstig gewesen.

Schwierigkeiten sehe ich auch bei Puavo, auch wenn es per Git offen ist und auf Debian basiert. Ohne Dokumentation, Gemeinschaft, Partner ist das ein ClosedServiceKonzept. E8-Stellen brauchen nur Aufträge auslösen, aber die Wertschöpfung und Wissensakkumulation findet
ausschließlich in Finnland statt.

Bei 100 % Souveränität ist nicht sichergestellt, daß diese genutzt wird. Beispielsweise hatte ich in der bestaufgestellten Schule in Sachsen-Anhalt miterleben müssen, daß bei einem Internetausfall eine Lehrerin die Zeit nur vor ihren Schülern gespeckert hatte, obwohl ihr lokal alle Möglichkeiten gegeben waren. Trotz einer länger zurückliegenden Fortbildung hatte sie sich mit diesen Möglichkeiten nicht auseinandergesetzt, da sie ausschließlich auf Clouddienste geprägt war und die Vorteile von Open-Source weder verinnerlicht hatte noch weitergeben konnte.

Ich denke, Open-Source-Lösungen können nicht nur Unterricht und Pädagogik ändern, sondern gar die Einstellung und den Blickwinkel. Statt auf ein MacBook mit Adobe als Statussymbol zu sparen, kann man mit freier Software auf einem gebrauchten Gerät schon loslegen und selbstwirksam werden. Für das Ergebnis ist vor allem das Können und die Übung ausschlaggebend und weniger die Abhängigkeit von einem Werkzeug. Wie selbstverständlich aus verschiedenen freien Werkzeugen wählen zu können, diese mit nach Hause nehmen dürfen, das ist eine Veränderung.
Es hängt weder vom Budget des Schulträgers noch der sozialen Vererbung der Kinder ab, wenn diese Lernmittelfreiheit Schule macht.