Ich war bei der Einführung und Evaluation der Alternativen zum vorherigen ClosedSourceProblem dabei. Seit über 30 Jahren bin ich mit und für OpenSource unterwegs. Bereits vor 20 Jahren hatten wir Verwaltungen und Bildungsräume auf Linux umgestellt. Ein Fachnetzwerk hatte es gegeben, um Politikern und Schulträgern unter die Arme zu greifen. Bei Bildungskonferenzen, dem Linux-Präsentationstag, Linux-Stammtisch, Schulförderverein usw. kommt man mit Betroffenen und Zuständigen ins Gespräch. Solche Aktivitäten verändern einiges, weshalb Höhen und Tiefen möglich sind. Am Beispiel von München kann man erahnen, was passiert, wenn Projekte erfolgreich werden und das nicht dürfen. Ob Publizität förderlich oder schädlich sein kann, sei zu überlegen. Graswurzeln unterm Radar kann nachhaltiger sein.
OpenSource, Freeware, kostenlos und umsonst wird auch im Wissensbetrieb Schule oft synonym und falsch vermittelt. Nicht alles, wo OpenSource draufsteht oder drin ist, ist gleich gut. Beispielsweise hat hat man IServ in den Schulen der Stadt Halle eingeführt. Gleichwohl das auf Debian basiert, ist das nicht DIE Entwicklung für die Kommune, Schüler oder Lehrer.
Der MDR hat auch mal über die Internetzugänge der Schulen in Sachsen-Anhalt berichtet. Gleichwohl diese Geräte auf CentOS aufbauen, sind diese weder brauchbar noch günstig gewesen.
Schwierigkeiten sehe ich auch bei Puavo, auch wenn es per Git offen ist und auf Debian basiert. Ohne Dokumentation, Gemeinschaft, Partner ist das ein ClosedServiceKonzept. E8-Stellen brauchen nur Aufträge auslösen, aber die Wertschöpfung und Wissensakkumulation findet
ausschließlich in Finnland statt.
Bei 100 % Souveränität ist nicht sichergestellt, daß diese genutzt wird. Beispielsweise hatte ich in der bestaufgestellten Schule in Sachsen-Anhalt miterleben müssen, daß bei einem Internetausfall eine Lehrerin die Zeit nur vor ihren Schülern gespeckert hatte, obwohl ihr lokal alle Möglichkeiten gegeben waren. Trotz einer länger zurückliegenden Fortbildung hatte sie sich mit diesen Möglichkeiten nicht auseinandergesetzt, da sie ausschließlich auf Clouddienste geprägt war und die Vorteile von Open-Source weder verinnerlicht hatte noch weitergeben konnte.
Ich denke, Open-Source-Lösungen können nicht nur Unterricht und Pädagogik ändern, sondern gar die Einstellung und den Blickwinkel. Statt auf ein MacBook mit Adobe als Statussymbol zu sparen, kann man mit freier Software auf einem gebrauchten Gerät schon loslegen und selbstwirksam werden. Für das Ergebnis ist vor allem das Können und die Übung ausschlaggebend und weniger die Abhängigkeit von einem Werkzeug. Wie selbstverständlich aus verschiedenen freien Werkzeugen wählen zu können, diese mit nach Hause nehmen dürfen, das ist eine Veränderung.
Es hängt weder vom Budget des Schulträgers noch der sozialen Vererbung der Kinder ab, wenn diese Lernmittelfreiheit Schule macht.