Erfahrungsberichte Wegzug vom Belwü

Guten Abend in die Runde,

für die Berichterstattung zur digitalen Schule „lurke“ ich schon eine Weile auf dieser Liste.
Da der offizielle Termin naht, zu dem das BelWü die Server für Verwaltungsnetz und Pädagogisches Netz abschalten wollte/sollte, würde ich gerne in die Runde fragen, wie die bisherigen Erfahrungen sind.
Wer hat Schwierigkeiten, die Verbindungen zu beiden Netzen zeitgerecht umzuschalten? ((Holger Baumhofs Thread zum Umzug zu Vodafone habe ich mit gelesen)
Wie viele Schulen haben sich überhaupt noch nicht gekümmert nach Beobachtung der hier Lesenden?
Das BelWue hatte auch Nachfrage ja offenbar durchaus angeboten, die Frist zu verlängern. Gibt es dazu Erfahrungswerte, wie viele Schulen auf einen solchen Aufschub setzen?
Und schließlich, weiß jemand von Schulen, die tatsächlich aus personellem oder Zeitmangel kalt erwischt werden von der Abschaltung?

Ich bin für alle Informationen dankbar, und bin per PM (siehe unten) erreichbar.

MfG,
Monika Ermert

Monika Ermert eLance Journalist
monika@ermert.info Skype: m.ermert
+49 (0)89 31859418
Croissant-Rust-Str. 15 81243 Munich/Germany

Hallo Frau Ermert,

an unserer Schule wurde bislang nur das Verwaltungsnetz zu Vodafone umgezogen. Die Arbeit mit den offiziellen Intranet-Mail-Accounts funktioniert problemlos, leider aber nicht mit „eigenen“ schulischen Accounts, z. B. „rektor@schulname.de“, da der Router auf Anweisung so konfiguriert wurde, dass er POP und IMAP nicht zulässt, sondern lediglich EAS, und das ist kein weit verbreiteter Standard. Somit gibt es einige Probleme, was die Kommunikation der Schulleitung und -verwaltung nach außen betrifft. Das ist lösbar, bedeutet aber tägliche Mehrarbeit für die Betroffenen.

Der große Brocken, die Umstellung des pädagogischen Netzes mit allen Modulen (Cloud, Portfolio usw.), steht bei uns in der 2. Augustwoche an, damit genügend Ferienzeit für die Umsetzung zur Verfügung steht. Ich bin hochmotiviert dazu, all das, was das Kultusministerium nie auf die Reihe bekommen hat und das wir deshalb mühsam selbst erstellt haben, nun auch noch umbauen zu müssen.
Und richtig wütend werde ich, wenn ich sowas lesen muss:
„Kultusstaatssekretärin Sandra Boser hat einen Bericht über den Stand der Digitalisierung an den Schulen in Baden-Württemberg gegeben. Das Land steht beim DigitalPakt Schule sehr gut da. Auch die Bereitstellung einer Digitalen Bildungsplattform schreitet weiter voran.“
Quelle: Kultusministerium - 2022-06-29 Kabinettsbericht zur Digitalisierung an den Schulen in Baden-Württemberg

Einen guten Überblick über das Ausmaß der Arbeiten gibt BelWue selbst auf dieser Seite:
https://support.belwue.de/FAQ/schulenEOS/

Ich gehe mal davon aus, das an unserer Schule - trotz aller Schwierigkeiten - der Umzug gelingen wird. Die Fristverlängerung habe ich sicherheitshalber trotzdem beantragt und auch genehmigt bekommen. Und so wie ich BelWue kennengelernt habe, werden sie keine Schule im Regen stehen lassen.-

Vielleicht wäre ein harter Schnitt besser gewesen: Wenn nach den Sommerferien plötzlich Hunderte von Schulen offline wären, würde evtl. ernsthaft darüber diskutiert, wer dies verschuldet hat.

Viele Grüße

Wilfried

Hallo Frau Ermert,

ich bin an meinen zwei Schulen seit Gestern eigentlich fertig.
Das LVN der Direktion wird über den neuen Cisco Router von Vodafon
bereitgestellt.
Das pädagogische Netz bekommt seine statischen IPs direkt von der
FritzBox von Vodafon.

Nebenwirkungen:

  1. LVN
    im Direktionsnetz geht der Zugang zum Internet grundsätzlich nur über
    den Proxy. Dort mußte ich also auf den neuen Proxy umstellen, weil der
    von BelWü natürlich nur aus dem BelWü Netz erreichbar ist. Der neue
    Proxy erlaubt keinerlei Mailabruf per IMAP, POP oder den Versand per SMTP.
    Unsere Direktionsmails liegen aber bei BelWü.
    Unser Hilferuf an Vodavon wurde von dort an das IBBW weitergeleitet, die
    den Proxy betreuen. Die haben im KM nachgefragt, ob sie den BelWü
    Mailserver als Ausnahme in den Proxy aufnehmen dürfen. Das wurde
    verneint mit zwei Begründungen:
  • Sicherheit: kein normaler Mailabruf „aus dem Internet“
    Wir wollten aber nur den BelWü Mailserver als Ausnahme nicht „das Internet“
  • "Das Kultusministerium sieht die von ihm bereitgestellten dienstliche
    E-Mailkonten als die offiziellen Konten der Schulen an. " Das sind die
    @SCHULNUMMER.bw.schule.de Adressen, deren Abruf nur aus dem LVN geht
    (von außen nur per WebFrontend).
    Der Hinweis, dass produktives und professionelles Arbeiten eben nicht
    per WebFrontend (wo ist das Adressbuch? Wo der Kalender und die
    Mailinglisten: all das nutzen wir im Thunderbird) wurde bisher
    ignoriert. Der Hinweis auf Arbeiten am Abend/Wochenende oder aus der
    Quarantäne auch.
    Derzeit geht ein Hilferuf der Schulleitung an das KM raus … Hoffnung
    haben wir wenig.
    Es gab auch noch einen Hinweis auf „die BelWü Mailserver werdern eh
    nächstes Jahr abgeschaltet“. Das ignoriert natürlich, dass uns gesagt
    wurde, dass die Maisl zu einem neuen Anbieter migriert werden: ich gehe
    (naiverweise?) davon aus, dass auch dieser die Standarts von BelWü dann
    einhalten wird …
    Es muss auch erwähnt werden, dass der Proxy des LVN in den letzten 3
    Wochen zwei Stundenlange Ausfälle hatte. Das gab es bei uns mit BelWü im
    Direktionsnetz so nie (in über 10 Jahren). Damit wurde auch das nächste
    Problem sichtbar: niemand ist zuständig. Ich kann nirgendwo anrufen.
    Erst Gestern gab es wieder einen Ausfall: ich habe bei 3
    unterschiedlichen Nummern angerufen: die erste wurde mir explizit als
    Hotline die für uns zuständig ist, genannt von Vodafon auf Nachfrage, wo
    ich mich den Melde, wenn es Probleme gibt (das war nach dem ersten Problem).
    Da kam ich nciht mal bis zu einem Menschen durch, weil die nette
    Computerstimme mich immer wieder in Schleifen schickte und immer die
    Kundennummer als „kenn ich nicht, geben sie eine richtige ein“
    brandmarkte. Nach einer vierte Stunde in der Schleife war meine Laune …
    nunja: man kann sich das vorstellen. Nach einer halben Stunde hatte ich
    noch immer niemand erreicht der irgend wie zuständig war oder gar ein
    Mensch.
  1. feste IPs:
    dass man nun die Portfreigaben selbst und übersichtlich in der FritzBox
    hat ist natürlich ganz Nett: war aber aufgrund der netten und schnellen
    Reaktion von BelWü vorher nie ein Problem.
    Dass man ohne weiteres nur 5 IPs bekommt ist halt schon sehr eng… Wenn
    sich alles beruhigt hat, dann werde ich mal nach einem größeren Netz
    suchen gehen.

Fazit: über ein Jahr hab ich daran rumgemacht: es waren hunderte
Arbeitsstunden: Recherchen, Telefonate, emails …
Es gab auch viele Gespräche zur Abstimmung mit den Schulleitungen.

Viele Grüße

Holger Baumhof

Hallo!

Wir hatten mit den Planungen schon vor längerem begonnen, trotzdem war der Umstieg dann „Spitz auf Knopf“. Man hat eine Downtime, im Schulalltag fast nicht hinnehmbar, man muss mehrere Parteien gleichzeitig am Start haben (BelWü für DNS-Änderung, Dienstleister, man selber), von denen viele aber dann nicht können, wenn kein Unterricht ist…
Wir hosten viele Dienste in der Schule, (Nextcloud, Wiki, Raumbuchung,…) da es günstig ist und aus der Schule heraus schnelle Zugriffe ermögicht und bisher war jeder dieser Dienste mit einer IP von BelWü versehen. Das war komfortabel, flexibel und ausfallsicherer.

Das Umstellen auf eine IP, also das Einrichten eines Reverse-Proxies macht mir sehr viel Arbeit, kostet (den Schulträger, nicht wie bisher das Land!!!) Geld und ist auch eine Schwachstelle, denn geht da etwas nicht, gehen ALLE Dienste nicht.

Da aber der Fortschritt der Digitalisierung am ausgegebenen Geld gemessen wird (Quelle http://wapo.do/ope8tu) ist die BelWü-Abschaltung ein großer Fortschrittstreiber.

Die Hotline von BelWü ist die beste, die ich je erlebt habe. Es ist in 90% der Fälle am anderen Ende sofort jemand am Telefon, der das Problem direkt lösen kann. Bei anderen Hotlines (wir sind noch mit dem Verwaltungsnetz mit komm.one alias iteos alias kiffbf) kriegt man zu höchstens 50% jemanden ans andere Ende, der dann keine Ahnung hat, ein Ticket aufnimmt, woraufhin sich in den nächsten Tagen vielleicht jemand meldet um nochmal zu erfahren, um was es geht, dann irgendwann dran arbeitet, das Ticket schließt, woraufhin man wieder anruft, weils noch nicht geht und wieder ein Ticket bekommt… Es ist zum verrücktwerden, zum Glück habe ich damit nur wenig zu tun. Dafür kostet der Service richtig viel Geld.

Einfach schade drum, man kann die Motivation der wenigen digital kompetenten und engagierten Lehrer sooo leicht kaputtmachen.

Viele Grüße
Max

Hallo Max,

Danke für Deinen Beitrag. An diesen „Stellschrauben“ wird nicht nur in BaWü gedreht und dabei funktionierende Strukturen zugunsten nicht funktionierender zerstört.

Viele Grüße

Alois